Manuela Schiller, Mieterverband Stadt Zürich

Verlässlicher Anwalt der Mieterinnen und Mieter
Ich kenne Walter Angst seit 1980. Seit jener bewegten Zeit haben wir immer wieder vor allem bei zwei Themenschwerpunkten zusammengearbeitet:
Als junge Anwältin musste ich Wädi Angst, wie ihn alle nennen, öfters beraten, wenn die Stadtpolizei ihm als Inhaber einer Demobewilligung wieder einmal eine Busse aufbrummen wollte. Alle diese Demonstrationen verliefen zwar friedlich und ohne Sachbeschädigungen, doch die Polizei fand immer ein Haar in der Suppe: Die Demo hatte zu lang gedauert, einen Halt zu viel eingelegt oder Wädi hatte sich krank abgemeldet und verbotenerweise einen Stellvertreter abgeordnet. Statt die Busse zu bezahlen, wehrte er sich regelmässig, ich schrieb ihm das Plädoyer, und er wurde vom Einzelrichter prompt immer freigesprochen. Nicht mit allen meinen Klienten habe ich eine so hohe Erfolgsquote.
Wie ein roter Faden zieht sich vor allem das Thema Wohnen und Stadtentwicklung durch unsere gemeinsamen Aktivitäten. Wir haben zusammen Mitte der 80er Jahre den Verein “Kaserne für Züri“ mitgegründet. Unser Ziel, eine sinnvolle öffentliche Nutzung für das Kasernenareal zu erreichen, haben wir noch nicht erreicht. Wenn ich heute vom Helvetiaplatz durch das Areal zum Bahnhof gehe, erfüllt es mich immer wieder mit leisem Stolz, dass wir damals die zündende Idee hatten, dass die Polizei nicht den ehemaligen Schuhputzplatz zu einem Parkplatz umnutzen durfte. Mit einer Petition und diversen Eingaben erreichten wir, dass zumindest die Hälfte der Kasernenwiese für die Öffentlichkeit freigegeben wurde. Damit war der Durchgang durch das Areal in den Zeughaushof geöffnet. Verhindert wurde in der Folge auch das erste Projekt einer Polizeifestung mit Helikopter-Landeplatz auf dem Zeughausareal. Das farbige 1. Mai-Fest mit Tausenden von Menschen konnte nach der Öffnung des ganzen Kasernenareals dorthin zügeln. Aber auch das Caliente oder das Fest des Quartiervereins nehmen das Areal in Besitz und es gastieren regelmässig Zirkusse dort. Das Providurium Polizeigefängnis bleibt ein Ärgernis. Das Areal wird den Stadtrat weiter beschäftigen, etwa als umstrittener möglicher Standort für ein neues Kongresshaus. Walter Angst im Stadtrat ist ein Garant, dass Ängste und Wünsche der Quartierbevölkerung auch im Stadtrat wahrgenommen werden.
1991 oder 1992 – so genau wissen wir es nicht mehr – habe ich Walter Angst angefragt, ob er für den Mieterverband Schlichter bei der Schlichtungsbehörde Zürich werden wolle. Er sagte zu und hat sich vom ersten Tag an bis heute für die Mieter engagiert. Einige Vorsitzende der Schlichtungsbehörde waren zunächst irritiert. Er war jung, kein Jurist, intervenierte aber schon nach einer kurzen Einarbeitszeit öfters als andere, setzte sich mit Herzblut für die Mieterinnen und Mieter ein. War manchmal unbequem, vorlaut und lachte auch immer wieder. Zudem war seine Kleidung eher salopp. Wer Wädi Angst kennt, kennt auch diese Argumente.
Immer wieder staune ich, wie er sich in (fast) jede Materie in äusserst kurzer Zeit gut einarbeitet, sofort den wunden Punkt erkennt, Lösungsansätze vorschlägt. Wer ihn kennt, weiss, dass er hart für seinen Standpunkt kämpft, aber immer auch konstruktive und innovative Vorschläge in die Diskussion einbringt. Ein gewichtiger Teil seiner Vorstösse im Gemeinderat betrifft die Wohnbaupolitik und die Stadtentwicklung. Als Präsidentin der Stadtzürcher Regionalgruppe des Mieterinnen- und Mieterverbandes kann ich mir meine Arbeit ohne die wichtigen Impulse, Hinweise und das fundierte Wissen von Walter Angst eigentlich gar nicht vorstellen. Insofern würde ich ihn nur mit einem weinenden Auge, aber Zürich und seinem Volk von Mietern zuliebe in den Stadtrat ziehen lassen.
Manuela Schiller, Rechtsanwältin,
Präsidentin Regionalgruppe Stadt Zürich Mieterinnen- und Mieterverband

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